Kategorie: Psychologie

Andere und uns selbst verstehen. Warum treffen wir welche Entscheidungen. Wie versuchen uns andere zu beeinflussen. Wie stärken wir unseren Geist um all den Anforderungen, die an uns gestellt werden, gerecht zu werden.

Base Rates

Frage immer nach der Base Rate (Basisrate): was ist die Wahrscheinlichkeit, der alles zugrunde liegt. Nur weil etwas logischer oder plausibler klingt, ist es nicht wahrscheinlicher. Komplexe Systeme stellen uns hier viele Beinchen auf dem Weg das herauszufinden, was am wahrscheinlichsten ist. Beispiel: Wenn ca. 0,5% der Bevölkerung Lehrer sind, dann sind es 99,5% nicht. 0,5% ist die Basisrate der Lehrer.

Farbwahrnehmung

Farbe ist ein spannendes Wissensfeld. Noch in Homers Odysse, also einem Text der im Altgriechischen verfasst wurde, gab es kein Wort für blau.[1] Aber Moment, lasst uns etwas anders anfangen. Guy Deutsch ist ein Sprachforscher, der einen wundervollen Einblick in den wissenschaftlichen Stand der Sprachentwicklung gibt – und ob Sprachen zu unterschiedlichen Prägungen im Gehirn führen.[2]

Ein besonders spannendes Beispiel sind die Farben. Farbwörter, die bei uns zum Alltag gehören, taten dies nicht zu jeder Zeit und nicht zu jeder Kultur.

Die wahrscheinlichste Entwicklung der Farbwahrnehmung bzw. Farbbeschreibung in Sprachen verläuft wie folgt:

  1. hell/dunkel, oder auch schwarz/weiß,
  2. + rot,
  3. + grün oder gelb/orange,
  4. + grün oder gelb/orange
  5. + blau.

Alle Farben, die danach kommen sind eher unterschiedlich in den Sprachen aufgetaucht. Damals fehlten uns anscheinend einfach die Worte. Indigene Sprachen bestätigten dieses Farbmuster und es ist immer wieder erstaunlich zu sehen: Etwas, was für den Einzelnen selbstverständlich erscheint, ist doch gar nicht so selbstverständlich. Farbe ist relativ und wird von unserem Gehirn interpretiert. Das beste Beispiel? Blau. Ein Blau kann in einer Sprache im Lexikon zum Beispiel fehlen blau, denn es beschreibt nicht genug. Dafür gibt zwei getrennte Wörte, hellblau und dunkelblau.

Wo wir uns anfangs noch gewundert haben, dass es überhaupt kein Wort für blau gibt um den Himmel zu beschreiben, verstehen andere Kulturkreise gar nicht wie wir diese Farbnuancen mit nur einem Wort beschreiben können. Sprache fasziniert, denn sie prägt unsere Wahrnehmung in gewissem Maße. Insbesondere werden wir beeinflusst, wenn wir gestresst sind, unser System 2 [Kahnemann] überfordert ist, es leichte Lösungswege gibt oder weil wir kulturell nicht genug für die Wahrnehmung einzelner Sachverhaltet geprägt worden sind.

Farben beschreiben

Was bedeutet dies nun aber für uns? Der westliche Kulturkreis hat einen sehr differenzierten Wortschatz. Einen Wortschatz, der nicht nur einzelne Lexeme für Farben hat, sondern auch sehr viele Komposita, also Wortzusammensetzungen, für einzelne Farben. Wir können heute Farben sehr gut beschreiben und im Umkehrschluss ist unsere Farbwahrnehmung in den letzten Jahrhunderten durch kulturelle Prägung, Austausch und den Bedarf an mehr Farbwörtern, oder auch einfach nur dem Luxus der Pigmentierung in der Kunst, verbessert worden. Statistisch gesehen sind gerade einmal 10% der Männer und 0,5% der Frauen in Westeuropa davon betroffen. Theoretisch nehmen wir also Farben so gewahr, wie es alle anderen tun – und irgendwie auch wieder nicht. Je größer Dein eigener Farbwortschatz wird, Du Dich selbst mit Farben beschäftigst umso besser verstehst Du sie auch. So zumindest meine Hypothese.

[1] https://www.deutschlandfunkkultur.de/warum-homer-die-farbe-des-himmels-nicht-nannte.1270.de.html?dram:article_id=191480
[2] Guy Deutscher: Im Spiegel der Sprache: warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht

Deliberate Practice

Was ist deliberate Practice?

Kurz, bewusstes Üben und Lernen von einer Fähigkeit um darin eine Meisterschaft zu erlangen und die höchsten Level zu erreichen.

Du kannst alles mit deliberate Practice erlernen, gerade wenn Du früh startest. Ericcson, oder besser Malcom Gladwell, der die Idee zwar nicht entdeckt, aber populär gemacht hat, sprechen hier von der 10.000 Stunden Regel. Ziemlicher Blödsinn, denn Talent macht mehr aus als 10.000 üben – und gerade auch das bewusste und harte Üben, dass wesentlich anstrengender ist als nur 10.000 Stunden Zeit mit etwas verbringen, auch wenn es schon „ein bisschen“ hilft. Bei Ericcsons Studien gab es talentierte Menschen, die brauchten vielleicht nur 3.000 oder 4.000 Stunden und untalentierte Menschen, die brauchten wesentlich mehr als 10.000 Stunden, eher 20.000 bis 30.000. Wie gut Du also werden kannst – und wie schnell, dauert also eine gewisse Zeit. Nichts mit Tim Ferriss und Livehacking your way to the top. Zumindest nicht wenn Du extrem gut werden willst. Für Basiskompetenzen geht es natürlich auch schneller.

Deliberate Practice hilft dabei Fossilierung entgegen zu wirken. Fossilierung ist der Moment in dem Du sagst: „Ich kann das gut genug.“ Ab diesem Zeitpunkt erlernen wir nur noch wenig Neues und sind zufrieden mit dem was wir können. Es ist ein mentales Modell für Lernstrategien um ein hohes Level zu erreichen, egal in welchem Umfeld es eingesetzt wird.

Wie Du selbst deliberate Practice für Dich nutzt:

  1. Du weisst in was Du gut werden willst.
  2. Du übst bewusst und lernst konstant neue Sachen.
  3. Du trainierst immer etwas, was knapp über Deinen bisherigen Fähigkeiten liegt.
  4. Du lernst mit Feedback-Loops, um Dich über Deine Fähigkeiten auf dem Laufenden zu halten.
  5. Du misst Deinen eigenen Fortschritt und hast viele kleine Ziele vor Augen.
  6. Du glaubst daran, dass Du selbst Deine Fähigkeiten verändern kannst und nicht an ein Talent, das Dir angeboren ist. (–> Grit)
  7. Du suchst Dir einen Mentor/Lehrer/Trainer, der Dich auf diesem Weg begleitet und Dir bei den vorherigen Schritten hilft.
  8. Kurz: Frustrationstoleranz. Prozessorientierung. Langfristiges Denken, Planen und Handeln.

Erweiterte Literatur:
Malcom Gladwell – Outliers (Übersetzung: Überflieger)
K. Anders Ericsson – Top: Die neue Wissenschaft vom Lernen
Angela Duckworth – Grit

Social Proof

Social Proof

Was ist Social Proof in einem Satz? Wir glauben, wenn viele Menschen etwas machen, ist dies ein Zeichen dafür, dass etwas gut ist. Dies ist eins der Prinzipien der Beeinflussung die von Cialdini in seinem Werk „Influence“ beschrieben werden.

Social Proof begegnest Du in viele Situationen:

  1. Eine Schlange vor einem Club macht diesen Interessanter
  2. Ein volles Restaurant ist attraktiver
  3. Kundenstimmen und Testimonials steigern das Vertrauen in ein Produkt
  4. Werkzeuge die von Profis verwendet werden sind besser
  5. Viele facebooks Fans geben die Illusion von Erfolg
  6. Niemand sitzt in einem Restaurant – warum nur
  7. Keine Schlange vor dem Club – uninteressant

Social-Proof ist eine evolutionäre Entwicklung, die uns durch die Bewährtheit eines Produktes erleichtern soll Gutes zu finden. Natürlich gibt es auch immer wieder Ausnahmen, wenn Social-Proof nicht funktioniert oder Du es nicht nutzt. Du gehst in ein Restaurant wo wenig los ist – es schmeckt wunderbar und Du hast einen Geheimtipp gefunden. Du bist ein Early-Adpoter – und willst probierst Technik, Soziale-Netzwerke, Restaurants oder was auch immer vor allen anderen aus. Das Marketing verpflichtet Fürsprecher die das blaue vom Himmel lügen – und Du lehnst das Produkt ab. Für Dich ist Ungewissheit reizvoll, anstatt dass Dir die große Menge Sicherheit gibt. Google+ hat auch mit dem Einladungsystem nicht funktioniert. Der Gardner Hype-Cycle ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einer ersten Bewegung der „Early Adopter“ eine Sättigung des Marktes wird.[1]

Social Proof - die Wahl fällt meist auf das, was von der Mehrheit für gut erachtet wird

Social Proof – die Wahl fällt meist auf dass, was von der Mehrheit für gut erachtet wird

Social Proof im Internet

Techcrunch[2] beschreibt fünf Arten des Social Proof im Internet:

  1. Expertise: Fachwissen z.B. durch Wissenschaftler.
  2. Prominenz: Stars empfehlen ein Produkt.
  3. Andere Nutzer: Menschen wie Du und ich.
  4. Schwarmintelligenz: Je mehr Nutzer, umso höher die Wahrscheinlichkeit der Echtheit.
  5. Empfehlungen von Freunden: Direkte Empfehlungen aus dem Freundeskreis.

Social-Proof – gut oder schlecht?

Social-Proof ist eigentlich gut. Wir sparen uns Zeit und können schneller Entscheidungen treffen. Wie bei vielen guten Sachen: Oft wird Social-Proof aber missbraucht. Social-Proof wird in der Werbung eingesetzt, um mehr Produkte zu verkaufen, z.B. durch künstliche lange Schlangen vor einem Laden (in Kombination mit Verknappung eine sehr gute Strategie) oder in Clubs in denen Du in einer langen Schlange warten musst, die im besten Falle noch öffentlich zu sehen ist, aber wo im Club eigentlich nichts los ist.

Gerade Social-Proof wird durch die Authorität oder Popularität von Menschen, z.B. Wissenschaftler, Stars oder auch einfach youtubern, sehr oft im Influencer Marketing benutzt, um Dinge schneller attraktiver zu machen. Das Ziel ist eine Conversion Optimierung, gerade im E-Commerce, mit der das Verhalten von Dir als Kundem beeinflusst werden soll. Auch Google benutzt mit seinen Bewertungen in den lokalen Suchergebnissen durch die Kunden-Testimonials Dein Verhalten zu beeinflussen.

Hierbei kommt es nicht selten zur Schleichwerbung, denn es gibt weder ein kostenloses Mittagessen, selbst wenn die Person das immer wieder betonen mag und es wird auch heute noch oft vergessen, solche bezahlte Werbung (gerade im Social-Media) kenntlich zu machen.[3] Auch Schneeballsysteme funktionieren mit Social Proof, da Du hier in der Regel durch Deine Freunde und Bekannten an ein Thema herangeführt wirst und diese dienen Dir als Vertrauensperson.

Social Proof ist ein Teil von unseren Mentalen Modellen.

Quellen:
[1]http://www.gartner.com/technology/research/methodologies/hype-cycle.jsp
[2]https://techcrunch.com/2011/11/27/social-proof-why-people-like-to-follow-the-crowd/
[3]http://www.br.de/nachrichten/instagram-schleichwerbung-psychologie-100.html

Trauma Tapping Therapie

Trauma ist eine ernstzunehmende psychologische Belastung. Die Trauma-Tapping-Technik ist eine Art der Behandlung um mit diesen psychologischen Belastungen besser umzugehen und wurde mir im Gespräch mit einem befreundeten Arzt vorgestellt, der diese seinen Patienten bei emotionalen Belastungen wie Burn-Out oder ähnlichem empfiehlt. Welchen Einfluss die Nervenpunkte, der Rhytmus, die Berührungen oder schlicht der Placebo Effekt haben sei dahin gestellt, er hat positive Rückmeldungen bekommen.

Vorab: Dies ist keine medizinische Beartung. Ich bin kein Doktor und spiele ihn auch nicht im Internet. Psychische Krankheiten sollten behandelt werden. Während meinem Zivildienst habe ich mit psychisch Kranken gearbeitet und es ist erschreckend: die meisten hatten ein normales Leben bis es einen Bruch gab, der dieses Leben nicht mehr möglich gemacht hat. Danach war ein Leben mit medizinischer Betreuung, egal ob durch Therapie, Medikamente oder betreutes Wohnen erforderlich. Viele Familien sind daran zerbrochen und die Belastung, die für die Angehörigen und Betroffenen entstehen sind nicht zu unterschätzen. Gerade hier ist aber der Schambereich sehr hoch, da psychische Krankheiten immer noch ein Tabuthema sind, selbst wenn es durch unsere Lebensweise zu einer massiven Zunahme dieser Krankheiten kommt. Hilfe kann hier in den meisten Fällen gar nicht früh genug kommen.

Was für die Trauma Tapping Therapie spricht:

Trauma Tapping soll den Thalamus/ die Amygdala mit zwei entegengesetzten Arten von sensorischen Erfahrungen (das schlechte Gefühl auf der einen Seite, das „Tapping“ auf der anderen Seite) überfluten. Dadurch sollen die ungewollten Reaktionen und Gefühle entfernt werden.[1]

Da die Technik scheinbar bei vielen Menschen funktioniert, sogar bei Menschen die den psychischen Belastungen eines Krieges, einer Flucht und von Verlust ausgesetzt waren, ist sie einen Versuch wert. Es gibt ein paar Dinge die noch dafür sprechen:

  • Du musst nicht viel Geld für Medikatmente ausgegeben
  • Du wirst nicht davon abhängig
  • Es gibt keine Nebenwirkungen wie bei Psychopharmaka, die Deine Psyche verändern können
  • Deshalb: Wenn es nicht funktioniert – nicht schlimm, einen Versuch war es wert. Wenn es doch funktioniert, umso besser

Trauma-Tapping ist dies auf jeden Fall ein erster Schritt um mit emotionalen Belastungen, so vielschichtig diese auch sein mögen umzugehen.

TTT is simple, efficient, free and reality proven. We have seen results with thousands of victims of genocide, abuse, war and personal traumas.

Quellen:
[1] http://peacefulheart.se/trauma-tapping-technique/
Foto: https://unsplash.com/@joshuaearle